der Komponist

CHRISTIAN BERNHARDT

Wenn Christian Bernhardt einen Raum betritt, dann richten sich alle Augen auf ihn, denn schließlich sieht man nicht alle Tage einen Winzer mit Irokesen-Haarschnitt. Doch wer jetzt einen lauten, rebellischen Typen erwartet, hat weit gefehlt. Denn der Jungwinzer ist ruhig und introvertiert – er lässt lieber seine Weine für sich sprechen. Diese tragen Namen wie „Nothing Else Matters“, „The Sound Of Silence“ oder „Here Comes The Sun“. Und jeder, der die Songtitel kennt, weiß: Christians Herz schlägt für die Musik.

Als Jugendlicher hatte er den Traum auf den großen Bühnen der Welt Gitarre zu spielen. Doch seine Hardcore-Schulband „No matter how“ brachte es seiner Zeit gerade mal auf zwei Konzerte. Und trotzdem hat ihn die Musik bis heute nicht losgelassen. Seine Fender-Gitarren stehen immer noch bei ihm im Wohnzimmer, Hunderte von 7-inch Singles nennt er sein Eigen. Mit ihnen legt er manchmal in Clubs und Bars von Freunden auf. Schlichtweg aus Spaß an der Freude. Das ist auch der Grund, warum er zukünftig Musikveranstaltungen bei sich im Weingut organisieren will. Er liebt die Musik und möchte sie mit seiner zweiten Leidenschaft, dem Wein, verbinden.

Am Ende des Tages wissen wir nicht, ob Christian das Zeug zum Rockstar gehabt hätte, doch zum Winzerstar auf jeden Fall. Denn heute komponiert er keine Songs mehr, dafür cuvéetiert er Weine – auch für die Kölner Indie-Band „Fortuna Ehrenfeld“.

Weinbau betreibt „der Komponist“ in dritter Generation, wobei das Familiengut bis 2017 ein typischer landwirtschaftlicher Mischbetrieb mit Obst, Acker und Schweinen war. Erst Christian machte ihn zum reinen Weinproduzenten. Die Spezialität seines 13-Hektar-Guts, das er mit Unterstützung seiner Lebensgefährtin und seiner Mutter führt, sind die Rotweine. Vor allem die aus Bordeaux-Rebsorten, denn mit 18% Rebsortenanteil ist der Merlot bei ihm die wichtigste Sorte. Alle Weine werden spontan vergoren und alle seine Roten, vom günstigsten Wein an, reifen im Barrique und werden unfiltriert abgefüllt. Bei den Weißen filtriert er nur grob, so dass auch ein Küchensieb reichen würde. Christian will alles in die Flasche bringen, was das Traubengut ihm schenkt. Oder um es musikalisch zu sagen: Er will keine Note aus dem Konzert des Weinbergs verlieren. Dabei hat sich der Jungwinzer auf Cuvées, zu Deutsch „Verschnitte“, spezialisiert. Eilte diesen früher noch ein eher schlechter Ruf voraus, so zeigt Christian, dass es hier nicht ums „Reste zusammenschütten“ geht, sondern um große Kunst.

Bis zu sieben Rebsorten komponiert er miteinander zu spannenden Weinen, die nichts an Komplexität, Präzession und Harmonie missen lassen. Ganz wie ein gutes Musikstück. „Mein Slogan heißt „Inspired by music“, und genau so sehe ich auch meine Arbeit mit den Weinen. Cuvéetieren ist, wie einen guten Song schreiben. Das Intro soll Lust auf mehr machen, der Hauptteil muss einerseits durch Harmonie, aber auch durch ein paar Kunstkniffe begeistern und das Finale muss so gut sein, dass die Leute sich daran erinnern. So stelle ich mir Musik und Weine vor, mal eine Ballade, mal einen Rocksong, man muss die richtigen (Geschmacks-) Noten finden!“, so der Winzer-Musiker.

Das Ziel des Komponisten ist es, immer neue Stücke zu schreiben, sprich immer neue Weine zu cuvéetieren und dabei auch mal über Grenzen hinauszugehen. Inspiriert von der Musik und klassischen Cuvées wie dem Bordeaux, sucht Christian immer nach der perfekten Harmonie, die den Wein zu einem echten „Ohrwurm“ macht.

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