Der Banker im Weinberg

PHILIPP PIEROTH

Wandert man durch die besten Lagen an der unteren Nahe, geprägt durch ihre einzigartigen Steilhänge aus unterschiedlichem Gestein, würde man kaum einen Anzugträger mit feinem Schuhwerk erwarten. Doch so weit hergeholt ist das nicht. Denn wenn Philipp heute durch seine Lagen streift, trägt er zwar festes Schuhwerk und Arbeitsdress, doch der Banker in ihm ist nicht gänzlich verloren gegangen. Denn nach seiner Tätigkeit in der Bank und dem Studium der Internationalen Weinwirtschaft zog es ihn zurück ins elterliche Weingut, den Weinheimerhof in Rümmelsheim, in dem er nun mit seiner Schwester die Marke PIRI Wein etabliert hat.

Er selbst empfindet es als großen Beitrag, die erlernten kaufmännischen Fähigkeiten im Weingut mit einfließen zu lassen und ist sich daher seiner Kapitalanlage, den einzigartigen Lagen und Böden, absolut bewusst. Lagen wie das Goldloch, das Dorsheimer Pittermännchen, das Münster-Sarmsheimer Königschloss oder auch der Burg Layer Schlossberg sind schlicht weg „Gold wert“. Sie, sowie viel präzise Arbeit das ganze Jahr über im Weinberg, machen die Idee und Qualität seiner Weine aus. „So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“, beschreibt Philipp seine Philosophie. Je besser die Böden und die Vorarbeit im Weinberg, desto weniger ist im Keller für einen hervorragenden Wein zu tun. Daher werden alle Weine spontan vergoren, nicht geschönt, lange auf der Hefe ausgebaut und teils sogar unfiltriert abgefüllt. Auch ein bisschen Maischestandzeit gönnt man ihnen. „Das Ziel sind filigrane Weine, die trotzdem Power haben“, erklärt der Jungwinzer. Die Weine sollen trocken, aber nicht staubtrocken sein, stattdessen animierend und mit viel Trinkfluss.

Der Winzer hinter diesen Weinen würde sich selbst eher als pragmatisch und rational beschreiben, seine Weine lassen aber nichts an Leidenschaft und Ausgewogenheit vermissen. In der VinVenture Weinlinie hat Philipp seine zwei großen Affinitäten sogar vereint: den Wein und die Börse. Mit den Namen Bulle & Bär, Market Maker und Hotstock greift er in beiden Jahrgängen nicht nur seine Bankervergangenheit auf, sie geben auch Geschichten aus dem Winzerleben wieder. „Das Auf und Ab gibt es eben nicht nur an der Börse, es gibt auch mal gute oder schlechte Erntejahre. Da kommen der Bulle und der Bär ins Spiel.“, so der PIRI Winzer. Und auch die Bedeutung des Market Makers und des Hotstocks stehen dieser Idee in nichts nach. Denn nicht nur die Weine, auch ihre Geschichte und der Winzer dahinter sind gänzlich authentisch. Daher auch der Name PIRI Wein, denn „der Spitzname von unseren Freunden für uns ist PIRI. Und wir möchten mit unseren Weinen aus Kunden eben auch Freunde machen.“

Das klingt dann gar nicht mehr so pragmatisch, sondern so herzlich und gastfreundlich, wie man stets auf dem Hof empfangen wird. Denn Philipp schafft es mit PIRI Wein ein Herzensprojekt mit seinem Händchen für Zahlen zu verbinden und seine Lagen und Weine als Kapitalanlage und als Verbindung zu den Kunden zu verstehen. In Zukunft stehen weitere Renovierungen und Investitionen im neuen Gutshof von PIRI Wein in Burg Layen an, bei denen es als echtes Glück erscheint, dass Philipp in seiner Zeit als Banker den Umgang mit Geld gelernt hat. Man sieht, auch in einem Weingut ist ein gelernter Banker eben sehr gut aufgehoben!

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