VINVENTURE JUNGWINZER

IM PORTRAIT

WOLFGANG BENDER

Der Überlebenskünstler

Es ist wirklich ein Wunder, dass es Wolfgang Benders Weingut heute gibt. Denn schlechter als bei ihm, kann eine Betriebsübergabe nicht laufen. Dabei war eigentlich alles schon eingetütet…

Da sein Vater deutlich älter ist, sollte die Übergabe des Gutes früh erfolgen, Wolfgang wollte dafür rasch in Geisenheim studieren. Aber als er 20 Jahre alt war, stand der Betrieb plötzlich vor der Insolvenz. Wolfgang war bereit zu übernehmen, wollte aber ein Kassenbuch führen, drei Messen im Jahr besuchen und personell umstrukturieren. Sein Vater weigerte sich strikt. Also sagte Wolfgang das Studium kurzerhand ab und ging nach Berchtesgaden zu den Gebirgsjägern, weit weg vom Wein und seinem Vater. „Da wurde ich mit Zerrungen in beiden Oberschenkeln den Berg hochgeprügelt und durfte über Stunden nichts trinken.“

Er fliegt zum Auslandeinsatz nach Afghanistan und wird beim gefährlichsten Außenposten der Bundeswehr, seit dem zweiten Weltkrieg, stationiert. Unerwartet kommt ein Anruf seiner Mutter: Der Vater ist zum Pflegefall geworden. Aus Afghanistan heraus organisiert Wolfgang die Weinbergarbeiten. Aber als er zurückkommt und das hochverschuldete Gut mit seinen völlig überalterten Maschinen übernehmen will, ist sein Vater nicht mehr geschäftstüchtig und damit das Amtsgericht zuständig. Es folgen vier quälend lange Jahre im Kampf gegen die Bürokratie. Währenddessen führt er das Weingut – obwohl er das nie gelernt hat. „Ich wusste nicht mal wie ein Filter funktioniert! Mein Vater hat nie drüber geredet und auch keine Fragen beantwortet.“ Wolfgang bringt sich alles selbst bei. Teilweise bleibt er 60 Stunden am Stück wach, um die Gärung zu begleiten. Eine Wohnmöglichkeit gibt es im Gut zu dieser Zeit nicht. Also schlägt er sein Feldbett im Weinkeller auf, hinter der Weinpresse duscht er, in der Halle folgt später ein Zelt – für ein halbes Jahr sein Zuhause. „Eigentlich war ich total verrückt! Das war eine anstrengende und harte Zeit, aber im Nachhinein denk ich gern daran zurück.“ Afghanistan, sagt er heute, war die beste Schule um den Betrieb zu übernehmen: kein Schlaf, trotzdem immer hochkonzentriert sein.

Es folgten weitere Herausforderungen. Wolfgang musste die Preise verdreifachen. Dadurch fielen all die Süßweintrinker weg, die nicht bereit waren, für eine Spätlese sieben Euro auszugeben. Die Kunden, die blieben, sind ihm dagegen bis heute treu.

Bei der Übernahme hatte der Betrieb 30 Rebsorten auf 13 Hektar, der einzige Weg war mit Cuvées zu arbeiten – und Wolfgangs „Lavinia“ rettete das Gut. Durch Crowdfunding sammelte er später Geld, konnte sich neue Maschinen und Traktoren leisten und einen Zinfandel-Weinberg anlegen. „Die Aktion hat mich zehn Jahre nach vorne katapultiert!“ Viele Medien berichteten, WoW war in aller Munde. Mit dem Jahrgang 2017 ließ er dann alle Prädikate fallen, seitdem gibt es nur noch Landwein. „Die Leute wollen einfach einen leckeren Wein trinken und sich nicht mit solchen Prädikaten beschäftigen.“

„WoW“ steht für „Wolfgangs Weine“. Und das passt, denn persönlicher können Weine nicht sein, hat Wolfgang in der Anfangszeit doch alles allein gemacht.

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