Spritzen und Pflanzenschutz bei Lukas Bicking
1. August 2021

Warum ist Pflanzenschutz und Spritzen so wichtig im Weinbau?

Es ist kein besonders beliebtes Thema, aber für den von uns so geliebten Wein eben doch essentiell: Pflanzenschutz und Spritzen. Denkt man daran, denkt man meist an Unmengen von schädlichen Stoffen und Chemiekeulen. Ob das heutzutage immer noch ein berechtigter Gedanke ist, oder dieser Teil der Weinbereitung vielleicht doch schlechter als sein Ruf, das sehen wir uns heute gemeinsam mit Lukas an.

Spritzen maschinell
Traktor mit "Spritz-Kabine"

Grundsätzlich müssen wir die Reben, wie auch jede andere Pflanze schlichtweg vor Krankheiten schützen. Das können Bakterien, aber insbesondere Pilzkrankheiten sein. Gerade feucht-warmes Klima ist hier besonders gefährlich, da es den Pilzen optimale Bedingungen bietet, um sich auszubreiten. Geschützt werden beim Spritzen primär die Trauben und auch die Blätter, da wir eine üppige Blattmasse für die Photosynthese benötigen.  

Wogegen spritzen wir konkret und womit?

Am gängigsten sind der echte (Oidium) und der falsche (Peronospora) Mehltau. Beides Pilzkrankheiten, die sich durch einen weißlich-grauen Schimmel auf den Trauben und gelbe Flecken auf den Blättern bemerkbar machen. “Man kennt sie zum Beispiel auch von den Tomaten aus dem heimischen Garten”, so Lukas. “Als Hausmittel hilft hier Backpulver in Wasser aufzulösen und dann regelmäßig zu spritzen.”, ergänzt er als Tipp. 

Wie auch die Tomaten, möchten wir die Trauben vor Erregern schützen, um eine gute Ernte erzielen zu können. Spritzen ist also nichts, was nur in Großbetrieben zur Ertragssteigerung angewendet wird, sondern ein Muss für jeden Winzer, der im Herbst gesunde Trauben ernten möchte!

Das Benetzen mit der Spritzbrühe erfolgt entweder maschinell, also mit dem Traktor plus Spritzanhänger, oder, vor allem in Steilhängen, manuell. Manuell bedeutet aber nicht nur mehr Arbeit für den Menschen, sondern auch, dass das Mittel ungleichmäßiger und vor allem mehr davon ausgebracht wird. Lukas selbst hat keine Hänge, in denen er manuell ran muss und ist auch recht glücklich darüber. 

Man unterscheidet zwischen synthetischen und biologischen Mitteln. Beide Arten müssen langwierige Prozesse zur Eignung, vor allem auf ihre Verträglichkeit des Verzehrs geprüft werden. Lukas selbst hat auf bio umgestellt. “Der Vorteil an synthetischen Mitteln ist, dass sie in die Pflanze eindringen und sie daher auch von innen schützen. Sie wachsen sozusagen mit, sprich, wenn ein neues Blatt wächst, ist es automatisch mit geschützt. Daher müssen konventionell spritzende Winzer weniger oft spritzen.”, erklärt der Jungwinzer. Er selbst spritzt aus Überzeugung bio, das heißt, er ist 3-4 Mal die Woche zu Hochzeiten unterwegs – wenn es Regnet schon mal öfter. “Wir spritzen mit Kontaktmitteln, das heißt, dass es nur auf der Pflanze liegt und vom Regen wieder abgespült wird.” Dafür verwendet er nur natürliche Stoffe wie Schwefel, Kupfer und auch Backpulver, das wir schon vom heimischen Garten kennen. Das Backpulver wirkt austrocknend und ist daher besonders gefragt, wenn schon eine Infektion vorliegt, um diese auszutrocknen und somit vor dem Ausbreiten zu schützen. Auf den Blättern selbst bleibt aber nicht das Backpulver als weißer Schleier sichtbar, sondern der Schwefel.

Blatt mit feinem Spritz-Nebel
Glaubensfrage Kupfer

Kupfer ist ein Schwermetall und wird oftmals von konventionell arbeitenden Winzern als K.O-Kriterium für biologische Bewirtschaftung gebracht. Doch wie schädlich ist Kupfer denn nun? “Der schlechte Ruf kommt von früher. ‘Erfunden’ haben es sozusagen die Franzosen, daher nannte man es auch ‘Bordeaux-Brühe’. Das hatte dann gefühlt wenig mit Pflanzenschutz zu tun, denn in der blau-grüne Brühe war ungefähr so viel Kupfer für einmal Spritzen, wie man es heute aufs ganze Jahr ausbringen würde.”, erklärt Lukas und muss selbst ein bisschen lachen. Heute gibt es einen weitaus bewussteren Umgang mit dem Schwermetall, die Winzer sind bestens ausgebildet. In der EU dürfen im Jahr maximal 6kg pro ha ausgebracht werden, in Deutschland sind es sogar nur 3kg. “Wir kommen meistens mit so 2kg hin, in 2020 haben wir sogar nur 1,5kg gebraucht, da es so ein besonders trockenes Jahr war. In 2021 werden wir das leider nicht ganz schaffen, das es doch sehr viel regnet, aber unter dem Grenzwert bleiben wir dennoch.” 

Lukas bei der Arbeit
Und wenn die Traube doch krank wird?

Sollten doch mal Trauben oder Blätter befallen werden, dann heißt es dranbleiben und Gas geben. Denn gesund bekommt man diese Teile der Pflanze erst mal nicht mehr, man kann nur die Ausbreitung vermeiden. Die sogenannten gelben “Ölflecken” auf den Blättern sind beispielsweise mit Backpulver gut auszutrocknen und in den Griff zu bekommen. Im schlimmsten Fall muss man mit Ernteverlusten kalkulieren, da man vergammelte oder verschrumpelte Trauben natürlich nicht im Lesegut haben möchte. Doch das kann einem Winzer immer passieren, egal ob er auf konventionelle oder biologische Weise Pflanzenschutz betreibt. Es bleibt zu sagen, dass das Spritzen wohl kein gänzlich vorurteilsfreies Thema, doch bei Weitem besser als sein Ruf. 

Wer prüfen möchte, ob er den biologischen Pflanzenschutz von Lukas vielleicht sogar rausschmecken kann, der bestellt sich am besten ein paar Flaschen Grauburgunder, denn hier waren wir beim Spritzen höchstpersönlich mit dabei und haben ihm über die Schulter geschaut. Wer alle Videos und Inhalte sehen möchte, kann hier direkt Mitglied werden!

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