Reberziehung Christian
1. Mai 2021

Thema des Monats Mai: REBERZIEHUNG

Zunächst mag einmal die Frage erlaubt sein, warum wir überhaupt Reberziehung betreiben, denn diese beantwortet Christian noch bevor es darum geht, was Reberziehung eigentlich ist. Wein, und damit eben auch die Rebstöcke, sind ein Lianengewächs. In freier Natur und ohne Kultivierung würde Wein daher beispielsweise an Bäumen, Mauern oder anderen Hindernissen hinaufwachsen und seinem Drang, in Höhe auszutreiben, nachkommen. Das hätte zur Folge, dass die unteren Partien verkahlen und immer nur die höher gelegenen Triebe von der Lianeneigenschaft profitieren.  

Das Konzept Reberziehung

Mit diesem Vorwissen erschließt sich auch der Grund und das Konzept der Reberziehung. Es wird versucht, die Lianen so in Form zu bringen, dass sie nicht unkontrolliert nach oben wachsen und vor allem, dass nicht nur die höchstgelegenen Stellen mit frischen Trieben versorgt werden. Um das zu erreichen, werden über 90% der über den Sommer und Herbst gewachsenen Austriebe im Winter beim Rebschnitt zurückgeschnitten, bis nur noch ein Trieb oder Auge stehenbleibt. 

Wein Lianengewächs Rebschnitt

Wenn nun im Frühjahr die Triebe wieder austreiben, geht es an die eigentliche Reberziehung, also das Biegen der Triebe, um das gewünschte Resultat im Herbst zu erhalten. Hier kommt abermals der Sanfte Rebschnitt, den wir von Freya & Alex kennen, ins Spiel. Interessanterweise wurde dieser einst zu Gunsten der Wirtschaftlichkeit eingestellt, um besser mit Maschinen arbeiten und mehr Ertrag ernten zu können. Christian verrät uns aber, dass auch er nun Stück für Stück wieder auf den Sanften Rebschnitt umstellt, da er das Eindringen von Esca reduziert. Esca ist eine der gefährlichsten Rebholzerkrankungen – insbesondere, weil man sie meist zu spät erkennt. “Heute sieht der Rebstock noch gesund aus, in 2-3 Tagen kann er schon kollabiert sein.”, beschreibt Christian die Krankheit, die durch verschiedene holzzersetzende Pilze verursacht wird. Das Tückische ist auch, dass sich die Pilze im Boden befinden, daher meist mehr als nur ein Rebstock befallen ist und auch das Nachpflanzen Risiken der Neuinfizieriung mit sich trägt. 

Die Reberziehung ist entscheidend für Qualität und Quantität

Je weniger Triebe, desto weniger Ertrag, aber um so ‘bessere’ Trauben. So könnte man die Frage nach Qualität und Quantität  simpel zusammenfassen. Geht man durch die Weinberge, die auch im Frühjahr noch mit vielen Austrieben versehen sind, darf man davon ausgehen, dass hier auf Quantität gesetzt wird. Auch kann es Unterschiede zwischen verschiedenen Rebsorten geben, doch geht es um die Qualität, fokussiert man sich meist auf einen, maximal zwei Triebe. Diese gilt es nach dem Austreiben entsprechend zu biegen und sie im Drahtrahmengerüst zu befestigen. Das passiert bei Christian zum Beispiel durch den Waagerecht-Kordon Schnitt. Blätter und Reben wachsen hier aus ein oder zwei waagerechten, streng formierten Stamm-Reben. Es sind einseitige Winkel und T-Formen möglich, der senkrechte Stamm bleibt unbegrünt. Und hier kommt auch das Lianengewächs wieder ins Spiel! Denn durch die waagerechte Erziehung wird dem Trieb ‘vorgegaukelt’, dass es keinen höheren Punkt als den Austrieb gibt und daher weiteren Triebe nicht bevorzugt am vorderen Ende der Pflanze ausgetrieben werden. Der Rebstock treibt gleichmäßig am waagerechten Trieb aus und die Trauben werden in der Folge gleichmäßig mit Nährstoffen versorgt. 

Lianengewächs

Unterschiedliche Rebsorten, unterschiedliche Erziehung?

Wir nehmen Christians Cuvée rot Bordeaux Style “Frenchman” zur Hand, um uns die verschiedenen Erziehungsformen für die unterschiedlichen Rebsorten anzusehen. Traditionellerweise vereinen sich in einem klassischen Bordeaux Cabernet Sauvignon, Petit Verdot und Merlot. Wer nun je Rebsorte eine klare Zuordnung einer bestimmten Reberziehung erwartet wird zumindest bei Christian enttäuscht. Den Cabernet Sauvignon und Petit Verdot hat er nach Kordon geschnitten, um eine klare Laubwand zu haben, was wiederum die Handlese in der Folge erleichtert. Der Merlot steht in einem wesentlich größerem Stockabstand, was das biegen der Triebe in beide Richtungen ermöglicht.  Bleiben wir in Frankreich, berichtet Christian, dass man im Burgund beispielsweise auf eine höhere Pflanzdichte schwört, da so die Konkurrenz größer ist und die Stöcke besser an das Grundwasser kommen. Unser Jungwinzer unterschreibt die Theorie, an die Praxis glaubt er aber nicht. Aus seiner Sicht ist hier auch viel Philosophie und Marketing im Spiel. Er probiert aber auch gern und viel, geht unkonventionelle Wege und versucht immer das Optimum für die jeweilige Rebsorte in seinem Terroir zu finden. Wobei bei ihm das Optimum immer die Qualität ist und Vielfältigkeit seines Rebsortenspiegels. 

Noch mehr Infos zur Reberziehung mit Videomaterial findest du in Behind the Wine. Wie die Reberziehung für die Bordeaux-Rebsorten funktioniert hat und ob sich der Frenchman sehen lassen kann, das findest du am besten mit einer Flasche des edlen Tropfens heraus! Cheers!

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